Trachtenkapelle St. Märgen- Glashütte e.V.
Trachtenkapelle St. Märgen- Glashütte e.V.

Ortsgeschichte

Die Glashütte ist heutzutage ein Ortsteil von St. Märgen. Bis 1936 war Glashütte und Hinterstraß eine eigenständige Gemeinde unter dem letztgenannten Namen. Dann folgte die Eingemeindung zu St. Märgen.

 

 

Geschichte:

 

Hinterstraß liegt hinter einer sehr alten Verkehrsverbindung, die etwa 700 Jahre lang eine Grenzlinie der Klosterherrschaft St. Peter vom Kapfenberg, Hochwald bis zum Hohlen Graben bildete. Der Name Hinterstraß - so wird es gedeutet oder vermutet - kam deshalb zustande, weil alles was "hinter der Straße" liegt, also das Kapfenberggebiet, das Steinbachtal mit Schaltkarrendörfle, das Gebiet des ehemaligen Knobelwaldes in die spätere Vogtei Hinterstraß integriert wurde, die damals Eigentum des Klosters St. Peter war.

 

Sämtliche Siedler der damaligen Zeit kamen vom Kloster St. Peter, zu deren Siedlungsgebieten übrigens auch die heutigen politischen Gemeinden Waldau, Neukirch und Wildgutach zählten.

 

Hinterstraß wurde verhältnismäßig spät, etwa in der Zeit von 1650 bis 1710, nach dem Dreißigjährigen Krieg innerhalb von 60 Jahren besiedelt und dies während ständiger Kriegszeiten. Jahrhunderte hinweg waren, so vermutet man, die Höfe "Steinbachhof" und "Breitmooshof" die einzigen im Gebiet Hinterstraß. Hinterstraß erhielt 1743 einen Vogt und wurde damit zu einer Gemeinde.

 

Der Knobelwald, aus dessen Gebiet die späterer Glashütte hervor ging, erstreckte sich in der Länge etwa vom Jägerstieg bis hinten an den Wolfsgrat und in der Breite vom Gfällbühl - heute Immenbühl - hinunter über den Bach und hinauf bis an die Redeck. Es war ein urwaldähnlicher dichter, finsterer Wald, in dem auch noch Wolf, Luchs und Bär lebhaft waren.

Schon im 15. Jahrhundert begannen die Benediktinermönche mit der Besiedlung des Knobelwaldes, um gegen den Wald vorzugehen und ihn zu roden. So entstanden die ersten Glasbläsersiedlungen, zunächst auf den Höhen, dann später unten im Tal.

 

Die Gründung der Glashütte liegt um das Jahr 1683, gleichzeitig mit der Gründung der Gasthäuser "Steinbach Hirschen", sowie "Zum Kreuz" im Hohlengraben. Initiator der Gewerbeansiedlungen war der damalige Abt Paulus Pastor, um die materielle Lage des Klosters zu verbessern.

Im Jahre 1685 wurde zwischen den Einwohnern der Glashütte und  dem Kloster St. Peter ein Vertrag abgeschlossen, indem alle Rechte und Pflichten der Glashütter verzeichnet waren. Es wurden den Glasbläsern bedeutsame Zugeständnisse gemacht. Die Glasbläserei blühte und Häuschen an Häuschen entstand.

 

So manche "Flaschen", "Buddeln" und "Gütterle" wurden aus dem Tal in die weite Welt getragen. Die Namen von vielen Ortschaften und Bauernhöfen, in denen das Wort "Glas" vorkommt, wie beispielsweise Glashütte, Glashof, Glasberg, Glasträgerhof, erinnern noch heute an die Zeit der Glasbläser aus dem Schwarzwald.

 

Als aber der Wald abgeholzt war, zogen die Glasbläser wieder aus und suchten sich andere waldreiche Gebiete. Sie zogen in den Bräunlinger Wald, wo die waldgierigen Glashütter von den Stadtherren mit offenen Armen aufgenommen wurden. Das ganze Bubenbacher Tal wurde ihnen zugesprochen. Durch den neuen Glashüttenbetrieb wurde das Dorf Bubenbach gegründet. In der Glashütte blieben aber zahlreiche Bewohner zurück, die sich einer anderen Tätigkeit widmeten - der Uhrmacherei. Nachdem ein Glasträger aus dem Böhmischen einen solchen Zeitmesser mitbrachte, ließ es den Tüftlern keine Ruhe, dieses Ding zu vervollständigen. So ist auf dem Glashof bei Waldau die erste Schwarzwalduhr entstanden. Und wieder zogen die Träger in die Welt hinaus. Dieses Mal waren es keine Glaswaren, sondern Schwarzwalduhren. Die Schwarzwalduhrenindustrie entstand aber nicht an ihrer Wiege, sondern in verkehrstechnisch günstigeren Orten.

In der Blütezeit der Uhrmacherei, etwa um 1811, vereinigten sich die bisherigen Vogteien Hinterstraß und Glashütte und bildeten nun die Gemeinde der Vogtei Hinterstraß, unter einem gemeinsamen Vogt. Den Titel Bürgermeister gab es damals noch nicht. Im Jahr 1836 hatte Hinterstraß mit Glashütte 405 Einwohner. Die Gemeinde Hinterstraß hatte etwa 120 Jahre Bestand. In der folgenden Zeit wanderten zahlreiche Glashütter aus und brachten durch ihre Unternehmensfreude, aber auch durch ihre Zähigkeit, zu Wohlstand.

 

Diejenigen aber, die am elterlichen Boden festhielten, hatten in einer armen Gegend einen zähen Lebenskampf zu führen. Sie flochten Spankörbe, schnitzten Uhrenschilder, formten Uhrenkästen oder wurden Holzhauer beim Forstamt, das inzwischen die verwaisten Gütchen erwarb. Die Gemeinde konnte nicht viel unternehmen. Sie hatten kein Geld, brauchte aber zum Glück auch keine großen öffentlichen Ausgaben zu tätigen, denn eine zentrale Wasserversorgung und -entsorgung war nicht möglich, eine eigene Pfarrkirche (außer der kleinen Kapelle) besaß sie nicht, elektrischen Strom produzierte meist jeder selbst, große Straßenbauten standen nicht an. Dann kam das Jahr 1935, das letzte Jahr dieser historischen Gemeinde. Sie fiel der ersten Gemeindereform zum Opfer. Ab 1936 wurde die politische Gemeinde Hinterstraß aufgelöst und in dieGemeinde St. Märgen integriert. Das war sicherlich zunächst eine schwere Aufgabe, sich gegenseitig zu tolerieren, zu achten und miteinander in einem größeren Gemeinwesen zu leben. Eine Lenkung in gute Bahnen gelang.

 

Die Verdienstmöglichkeiten in dem kleinen Örtchen Glashütte waren bis in die Gegenwart sehr bescheiden. Dank der Motorisierung hat sich die Lage in den letzten Jahrzehnten doch verbessert. Die Möglichkeit besteht, in den umliegenden Orten Berufe auszuüben oder zur Schule zu gehen.

 

Durch schlechte oder erschwerte Baumöglichkeiten in der Glashütte ist ein Großteil der jüngeren Generation immer wieder gezwungen auszuziehen und sich auswärts niederzulassen. In früheren Jahrzehnten betrieb fast jeder Bewohner, der ein kleines Anwesen hatte, einen landwirtschaftlichen Nebenerwerb. Unter mühevollen Bedingungen an Steillagen musste gearbeitet werden. Daher ist es nicht außergewöhnlich, dass die Zahl der „Bodenständigen“ immer weiter zurückgeht.

Heute sind es nur noch wenige, die einen sogenannten "Nebenerwerb" ausüben. Tatsache ist, dass es eine "Nebenausgabe" ist, die zur Offenhaltung der Landschaft dient.

 

So bleibt zum Schluss dieser kleinen Ortsgeschichte nur der Wunsch und die Hoffnung, dass es immer wieder einige bodenständige Leute gibt, die wenigstens einen Teil der Landschaft offenhalten, damit das schöne und kleine Tal nicht der totalen Wildnis zum Opfer fällt.

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Glashütte 26

79274 St. Märgen

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